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Macht KI uns dümmer? René Riedl über Vertrauen in künstliche Intelligenz

Vortrag „Vertrauen in künstliche Intelligenz" · AInext, 15.04.2026, Linz · Video: 34:27 Min.

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Was ist Vertrauen — und kann man es einer Maschine schenken?

Vertrauen ist evolutionär ein Verhalten, das den Menschen selbst in Gefahr bringt und Abhängigkeit voraussetzt (Fallschirmsprung, Kind im Kindergarten, Vorkasse im E-Commerce). Es entstand zwischen Menschen und erhöhte die Überlebenswahrscheinlichkeit (gemeinsame Jagd, Urvertrauen des Babys). Neu ist, dass der Mensch nun einer Maschine vertrauen soll — die keine Motivation, Absicht, Moral oder Bewusstsein hat.

Der Anthropomorphismus-Effekt

Je menschenähnlicher eine KI dargestellt wird, desto höher das Vertrauen (belegt in hunderten Studien). Vertrauenswürdigkeits-Urteile über Gesichter fallen in rund 100 Millisekunden. Praxisbeispiel: Der Chatbot „Elli" der Stadt Linz mit Bild wirkt vertrauenswürdiger.

KI-Vertrauen weltweit und der Substitutionseffekt

Zwischenmenschliches Vertrauen ist hoch in Skandinavien, der Schweiz und China, niedrig in Ländern wie den Philippinen oder Simbabwe. Wo es fehlt, ist das KI-Vertrauen oft hoch (Nigeria, Indien, Ägypten) — die KI ersetzt fehlendes menschliches Vertrauen. Albanien ernannte 2025 als erstes Land einen KI-Chatbot („Diella") zur Ministerin gegen Korruption. In Skandinavien ist das KI-Vertrauen gerade wegen hoher Ansprüche an Fairness und Transparenz niedrig.

Zwei Gefahren: Deepfakes und cognitive offshoring

TV-Nachrichten genießen weiterhin hohes Vertrauen, KI und Social Media deutlich weniger. Riedls Prognose: Je digitaler die Welt, desto mehr vertrauen wir nur noch technologie-unvermittelten Face-to-Face-Wahrnehmungen. Die zweite Gefahr ist der Kompetenzverlust: Wer das Denken an die Maschine auslagert, verliert eigenes Denkvermögen. Eine zitierte MIT-EEG-Studie (2025) zeigt geringere Hirn-Konnektivität bei ChatGPT-Nutzung — jüngere Menschen sind stärker betroffen.

Wer ist René Riedl?

René Riedl ist Professor für Digital Business und Innovation an der FH Oberösterreich (Campus Steyr) und Lehrender an der JKU Linz. Er forscht u. a. zu „Neuro-Information-Systems" — wie Digitaltechnologie auf Gehirn und Körper wirkt — und hat ein Buch zum Vertrauen in KI verfasst.

Häufige Fragen

Macht KI uns dümmer?
Laut Riedl droht ein Kompetenzverlust („cognitive offshoring") für jene, die das Denken vollständig auslagern; eine zitierte MIT-EEG-Studie zeigt geringere Hirnaktivität bei ChatGPT-Nutzung. Jüngere sind stärker betroffen.
Was ist der Substitutionseffekt beim KI-Vertrauen?
In Gesellschaften mit geringem zwischenmenschlichem Vertrauen übernehmen technische Systeme die Rolle verlässlicher Entscheidungsinstanzen — das KI-Vertrauen ersetzt fehlendes menschliches Vertrauen.