← Zurück zur Übersicht

Was macht ein KI-System souverän? Doris Lippert über Daten, Souveränität und Gestaltung

Vortrag „Wie souverän wirklich?" · AInext, 15.04.2026, Linz · Video: 40:09 Min.

Video auf YouTube ansehen

„Daten sind nicht das neue Öl"

Öl ist ein förderbarer Rohstoff mit Eigentümer, nur einmal verarbeitbar. Daten dagegen werden von uns produziert, verlieren nicht an Materialität und sind mehrfach weiterverarbeitbar — der Öl-Vergleich simplifiziere. Zugleich schaufeln Konsumenten sensibelste Daten freiwillig raus, weil es bequem ist („Datenwaage"), während Unternehmen sich beim Datenthema selbst blockieren.

KI-Doppelmoral

Wir nutzen täglich fünf bis sieben KI-Anwendungen (Google Maps, Gesichtserkennung, Social Media), nennen sie aber nicht „KI"; im Unternehmen heißt es dann „Daten dürfen nicht raus". Zugespitzt: Würde man Gesundheitsdaten freigeben, um das Leben der Mutter zu retten? Mehrheitlich ja — wir sind unsere eigenen Doppelmoralisten.

Souveränität = Kontrolle, nicht Herkunft

Entscheidend sei nicht, woher das Sprachmodell kommt (leicht austauschbar), sondern: Wer hat die Kontrolle, wie schnell kann man entscheiden, könnte es abgedreht werden? Herzstück ist das Datenthema; Infrastruktur (Rechenpower, Chips) sei unterdiskutiert. Autarkie sei unrealistisch — Ziel: mehr Innovation in Europa statt „weniger USA".

Wertschöpfung wie beim Buchdruck

KI ist eine General Purpose Technology wie Buchdruck, Elektrizität, Internet. Der Buchdruck kam aus Europa — die Wertschöpfung holten die Holländer (Papier, Bibliotheken, Bildung als Wettbewerbsvorteil). Lehre: alle Layer der Wertschöpfungskette stärken und Österreichs Entwicklungsstärke nutzen.

Souveränität so verständlich wie Kürbiskernöl

Das EU Cloud Sovereignty Framework (7 Layer) sei gut, aber unpraktikabel, weil jeder selbst bewerten muss. Lipperts Initiative „vergleichbar. erklärbar. souverän." (mit ORF & Public Sector) will einen Souveränitäts-Score schaffen — so verständlich wie das 3-Sterne-Prinzip beim Kürbiskernöl.

„Wer KI nutzt, wird abhängig. Wer sie versteht und gestaltet, wird handlungsfähig."

— Doris Lippert

Wer ist Doris Lippert?

Doris Lippert ist erste weibliche Präsidentin des VÖSI (Verband Österreichischer Software Innovationen) und Geschäftsführerin von Cloudflight Österreich; zuvor war sie neun Jahre bei Microsoft. Bei AInext vertrat sie die österreichische Software-Community und stellte die „unbequeme" Souveränitätsfrage.

Häufige Fragen

Sind Daten das neue Öl?
Laut Lippert nein: Daten sind kein förderbarer Rohstoff, sondern werden produziert, verlieren nicht an Wert und sind mehrfach nutzbar — der Vergleich führt in die Irre.
Was macht ein KI-System souverän?
Entlang dreier Risiken bewertbar: Was passiert mit den Daten (Datenrisiko), lässt es sich weiter betreiben (Continuity-Risk), und wie entwickeln sich die Kosten (Financial-Risk).